Work-Life-Balance

Stress und seine Entstehung

Moira Oberbeck 

Abstract [Bearbeiten]

Laut Definition ist Stress ein subjektiv unangenehm wahrgenommener Spannungszustand. Die Entstehung dieses Stresszustands basiert auf der Befürchtung, dass sich eine bereits eingetretene oder noch bevorstehende Situation nicht vollständig kontrollieren lässt, obwohl deren Vermeidung bzw. Kontrolle für das Individuum zentral ist. Insbesondere spielen externe oder interne Stimuli, sogenannte Stressoren bei der Entstehung eine wichtige Rolle. Sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit für das Auslösen einer Stressreaktion verantwortlich. 

Einleitung [Bearbeiten]

Heutzutage lässt sich Stress beinahe nicht mehr vermeiden und gehört zum Wandel der Zeit. Ist Stress demnach als eine Modeerscheinung zu deuten? Wo und wann entsteht Stress? Wie kann Stress vermieden werden? Die vorliegende Arbeit im Modul IKGF setzt sich mit diesen Fragen auseinander und versucht Erklärungsansätze zu finden. 

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf der Entstehung von Stress. Im ersten Kapitel sind unterschiedliche Definitionen von Stress und der historische Hintergrund dargelegt. Das zweite Kapitel erläutert wie Stress entsteht. Zwei bekannte Stressmodelle sind im dritten Kapitel veranschaulicht. Ein Fallbeispiel und berufliche Interventionsmöglichkeiten runden schliesslich die Arbeit ab. 

Definition von Stress [Bearbeiten]

In folgendem Kapitel wird der Begriff „Stress“ im historischen Kontext aufgezeigt und anhand verschiedener Definitionen dargelegt. 

Der Begriff Stress leitet sich vom lateinischen Verb „stringere“ ab und bedeutet wörtlich übersetzt „zusammendrücken“ oder „zusammenziehen“. (Litzcke, Pletke & Schuh, 2013, S. 2) Der im heutigen Sprachgebrauch verwendete Begriff stammt jedoch aus dem Englischen und führt auf das Testen von verschiedenen Materialien auf ihre Belastbarkeit zurück. Der Naturwissenschaftler Hans Selye (1907-1982) geht davon aus, dass bedeutende Umweltbelastungen wie Hitze oder Kälte eine unbestimmte Alarmreaktion beim Individuum hervorrufen. (Litzcke et al., 2013, S. 2; Kauffeld, 2014, S. 247–248) 

Die Autoren Greif und Cox (1997, S. 432–439) definieren Stress als einen subjektiv unangenehm wahrgenommener Spannungszustand. Dieser Zustand entsteht aus der Befürchtung, dass eine bereits eingetretene oder noch bevorstehende Situation nicht vollständig kontrollierbar ist, obwohl deren Vermeidung bzw. Kontrolle für das Individuum von Bedeutung ist. 

Im naturwissenschaftlichen Kontext ist zwischen positivem und negativem Stress zu unterscheiden. Demnach wird „gelegentlich auftretender Stress mit kurzen Erholungsphasen“ als positiver Stress (Eustress) bezeichnet, da er die „natürliche Widerstandskraft des Körpers gegen Krankheitserreger“ steigern kann (Beyer, Bickel, Claus, Frank, Gropengiesser, Haala et al., 2006, S. 301). Als Dauerstress (Distress) werden „ständig aufeinanderfolgende, kurz andauernde Belastungszustände“ bezeichnet (Beyer et al., 2006, S. 301). Längerfristig kann dies negative Auswirkungen auf die Gesundheit des Individuums haben (Erschöpfung, Schlafstörungen, Infektionskrankheiten, körperlicher Abbau oder Organschäden) (Beyer et al.,2006, S. 301; Wagner, ohne Datum). Befindet sich der Körper in dauerhafter Alarmbereitschaft und bleibt die Entspannung aus, so entsteht chronischer Stress. (Gukelberger-Felix, 2014) 

Entstehung von Stress [Bearbeiten]

Das folgende Kapitel setzt sich mit der Entstehung von Stress auseinander.

Bei der Entstehung spielen externe oder interne Stimuli, sogenannte Stressoren eine wichtige Rolle. Sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit für das Auslösen einer Stressreaktion verantwortlich. (Greif & Cox, 1997, S. 432–439) Stressoren sind in ihrer Art oftmals sehr unterschiedlich: Es können externe (Umwelt) oder personeninterne Faktoren für das Auslösen verantwortlich sein. In der Literatur lässt sich keine abschliessende Gruppierung von Stressoren ausmachen, deshalb wird in dieser Arbeit nur auf die Einteilung von McGrath (1981, S. 441–499) eingegangen. Er grenzt dabei drei Bereiche von Belastungsfaktoren ein: Faktoren aus dem personalen System (z.B. Unsicherheit), Faktoren aus dem sozialen System (z.B. familiäre Konflikte) und Faktoren aus dem materiell-technischem System (z.B. Lärm). (McGrath, 1981, S. 441–499)

Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft [SECO], das sich hierbei auf den Gesundheitsschutz abstützt, entsteht Stress durch ein Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Ressourcen. Dabei übersteigen die ans Individuum gestellten quantitativen und qualitativen Anforderungen, die ihm für die Bewältigung zur Verfügung stehenden Ressourcen. Aus dieser Diskrepanz resultiert ein Zustand von Erregung und Anspannung, der das Individuum meist als beunruhigend und unüberwindbar empfindet. Dabei handelt es sich um einen längerfristigen negativ anhaltenden Zustand. (SECO, ohne Datum)

Theoretische Erklärungen von Stressentstehung [Bearbeiten]

In diesem Kapitel werden zwei Modelle veranschaulicht: Das physiologische Stressmodell von Selye (1974) und das transaktionale Stressmodell von Lazarus (1966).

Physiologisches Stressmodell nach Selye

Als Begründer der Stressforschung gilt Selye, der sich erstmals mit der Entstehung von Stress auseinandersetzte. Sein Modell richtet sich nach dem biologischen Ansatz und wird demnach oftmals als „reaktionsorientierter Erklärungsansatz“ bezeichnet. (Litzcke et al., 2013, S. 247) Für Selye ist Stress eine unbestimmte Reaktion des Individuums auf alle Formen von Anforderungen und wird deshalb als eine allgemeine Anpassungsreaktion gesehen (vgl. Kapitel 1). Dabei können sich verschiedene Elemente in Stressoren umwandeln und zur Theoretische Erklärungen von Stressentstehung Auslösung des <allgemeinen Adaptionssystem (AAS)> führen. Dieses System gliedert sich in drei Phasen (Litzcke et al., 2013, S. 248): 

(1)  Alarmreaktion: Das Individuum reagiert auf den erkannten Stressor mit Anspannung.Es kommt zur erhöhten Hormonausschüttung und die Alarmbereitschaft steigt.

(2)  Widerstandsphase: Das Individuum widersetzt sich den Einwirkungen des Stressors. Dadurch lassen sich die ausgeschütteten Stresshormone wieder abbauen und der Körper kann sich erholen. 

(3)  Erschöpfungsphase: Diese Phase tritt nur ein, wenn sich der Organismus nicht mehr gegen die Einwirkung der Stressoren über längere Zeit hinweg wehren kann. 

Die letzte Phase des Modells wird in der Wissenschaft oftmals als Erklärung für die Entstehung von Burnout verwendet (Kauffeld, 2014, S. 248; Litzcke et al., 2013, S. 2–17). Zudem lassen sich Parallelen zum naturwissenschaftlichen Ansatz finden, der ebenfalls zwischen positiven und negativen Auswirkungen unterscheidet (vgl. Kapitel 1). 

Transaktionales Stressmodell nach Lazarus

Ein weiteres Stressmodell geht auf Richard Lazarus zurück. Er versucht die Entstehung von Stress anhand eines kognitiven Erklärungsansatzes aufzuzeigen. Mittelpunkt seines Modells bilden kognitive und individuelle Bewertungsvorgänge. Sie entscheiden darüber, ob eine Person Stress empfindet oder nicht. Dafür ist ein Reiz verantwortlich, der Stress freisetzen könnte. Zentral ist dabei, wie die Person den Reiz einordnet und beurteilt. Das Modell gliedert sich in drei Phasen, wobei die drei Bewertungsprozesse nicht unbedingt eine Reihenfolge haben. Sie können auch parallel zueinander verlaufen. (Litzcke et al., 2013, S. 248–249)

(1)  Primäre Bewertung: Wird der Reiz als irrelevant oder positiv angesehen, fühlt sich der Organismus nicht bedroht. Wird der Reiz jedoch als stressend empfunden, so ist allenfalls eine Änderung des Verhaltens notwendig. (Litzcke et al., 2013, S. 248)

(2)  Sekundäre Bewertung: Sind genügend personelle Ressourcen vorhanden, um den stressenden Reiz zu überwinden? Die Person versucht die Situation zu bewältigen. (Litzcke et al., 2013, S. 248–249)

(3)  Neubewertung: Bei der Neubewertung ist entscheidend, wie erfolgreich die Reizbewältigung erfolgte. Infolgedessen wird der ursprüngliche Reiz neu bewertet. (Litzcke et al., 2013, S. 249)

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass für Lazarus dann Stress entsteht, sofern eine Situation der Person als bedrohlich erscheint und die personellen Ressourcen für die Bewältigung nicht ausreichen (Litzcke et al., 2013, S. 249).

Kontextualisierung anhand eines Fallbeispiels [Bearbeiten]

Im folgenden ist anhand eines Fallbeispiels aufgezeigt, wie Stress entstehen kann. Der Name Rita ist von der Autorin frei erfunden.

Rita ist 18 Jahre und arbeitet nach abgeschlossener Ausbildung zur Bürokauffrau nach wie vor in Ihrem Lehrbetrieb. Im selben Büro arbeiten noch 20 andere Mitarbeitende und die tägliche Lärmbelastung ist entsprechend hoch.

Es ist ein ganz normaler Arbeitstag. Rita sitzt an ihrem Schreibtisch und beantwortet duzende von Mails. Auch das Telefon klingelt ununterbrochen. Seit einiger Zeit sind Mitarbeitende krankheitsbedingt ausgefallen und Rita arbeitet nun noch mehr als sonst. In ihren Gedanken ist sie jedoch weit weg. Sie muss ständig an die Worte ihrer Eltern denken: „Wir lassen uns scheiden. Endgültig!“ Rita ist aufgebracht und weiss nicht, wie sie damit umgehen soll. Sie ist ein Einzelkind und obwohl sie mit Mutter und Vater ein gutes Verhältnis hat, weiss sie nicht wohin sie gehen soll. Was wenn beide jemand Neues finden? Wo soll sie leben? Rita ist so verzweifelt, dass ihr dicke Tränen über die Wangen laufen. 

Dieses Fallbeispiel zeigt, dass die Entstehung von Stress von externen und internen Faktoren abhängt (Greif & Cox, 1997, S. 432–439). Als externe Faktoren lassen sich hierbei die Lärmbelastung und die Aufgabendichte ausmachen. Zu den internen Elementen zählen Ritas innere Verzweiflung und Hilflosigkeit. (McGrath, 1981, S. 441–499)

Berufliche Interventionsmöglichkeiten [Bearbeiten]

Dieses Kapitel soll berufliche Interventionsmöglichkeiten aufzeigen, die der Stressentstehung entgegenwirken. Laut Kauffeld sind primär die persönlichen Ressourcen einer Person für den Umgang mit Stress entscheidend (2014, S. 255). Diese können durch Stressmanagement- und Entspannungstrainings gestärkt werden, zum Beispiel mithilfe von autogenem Training, Yoga oder Tai Chi (Kollak, 2008, S. 25; Schönig & Moegling, 2008, S. 51). Ein weiterer Aspekt ist die innere Balance zwischen Arbeit, Freizeit und Familie, die sogenannte Work-LifeBalance. Ein inneres Gleichgewicht bringt Ruhe und Zufriedenheit und reduziert das Stressempfinden. Weitere zentrale Elemente sind eine gesunde Ernährung, genügend Schlaf, ausreichend Bewegung und regelmässige Erholung. (Kauffeld, 2014, S. 257–258)

Wichtig ist, dass Unternehmen ihre Mitarbeitenden bei diesem Prozess unterstützen. Arbeitsplätze sind ergonomisch und ansprechend zu gestalten, damit sich die Mitarbeitenden in ihrem Arbeitsumfeld wohlfühlen. Regelmässige Mitarbeitergespräche und flexible Arbeitsmodelle unterstützen das Wohlbefinden der Mitarbeitenden ebenfalls. Im Idealfall sind Arbeits- und Erholungsphasen so aufgeteilt, dass das Individuum sie als ausgewogen empfindet. (Kauffeld, 2014, S. 223, 257–258)                                                  

 

Literaturverzeichnis

Beyer, Bickel, Claus, Frank, Gropengiesser, Haala et al. (2006). Natura. Grundlagen der Biologie für Schweizer Maturitätsschulen. Zug: Klett und Balmer.

Greif, S. & Cox, T. (1997). Stress. In S. Greif, H. Holling & N. Nicholson (Hrsg.), Arbeits- und Organisationspsychologie. Internationales Handbuch in Schlüsselbegriffen (S. 432–439).München: Psychologie Verlags Union.

Gukelberger-Felix, G. (07.04.2014). Chronischer Stress: Wie uns Dauerbelastung krank macht. Spiegel online. Gefunden am 14.10.2015 unter http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/dauerstress-anhaltende-belastung-fuehrtzu-erkrankungen-a-962009.html

Kauffeld, S. (2014). Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie für Bachelor (2. Aufl.).Berlin, Heidelberg: Springer.

Kollak, I. (2008). Yoga zum Umgang mit Stress und Burnout. In I. Kollak (Hrsg.), Burnout und Stress. Anerkannte Verfahren zur Selbstpflege in Gesundheitsberufen (S. 24–46).Heidelberg: Springer Medizin.

Litzcke, S., Pletke, M. & Schuh, H. (2013). Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz (6.Aufl.). Berlin, Heidelberg: Springer Medizin.

McGrath, J. E. (1981). Stress und Verhalten in Organisationen. In J. R. Nitsch (Hrsg.), Stress (S. 441-499). Bern: Huber.

Schönig, A. & Moegling, K. (2008). Tai Chi – eine bewegungsorientierte Entspannungsmethode. In I. Kollak (Hrsg.), Burnout und Stress. Anerkannte Verfahren zur Selbstpflege in Gesundheitsberufen (S. 48–61). Heidelberg: Springer Medizin.

Staatssekretariat für Wirtschaft [SECO]. (Ohne Datum). Psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz. Definition Stress. Gefunden am 14.10.2015 unter http://www.seco.admin.ch/psychosoziale-risiken/05531/index.html?lang=de 

Wagner, S. (Ohne Datum). Stress und Körpersymptome. Körper im Alarmzustand. Beobachter. Gefunden am 14.10.2015 unter http://www.beobachter.ch/lebengesundheit/medizin-krankheit/artikel/stress-und-koerpersymptome_koerper-imalarmzustand/