Work-Life-Balance

Lebensqualität aus Sicht des Patienten

Angelina Helfenstein

Abstract [Bearbeiten]

Die Lebensqualität der Patienten ist in der Pflege, sowie allgemein in der medizinischen Praxis, ein aktuelles Thema. Die Entwicklung der modernen Medizin hat gezeigt, dass die medizinischen Eingriffe nicht nur Leben erhalten und Gesundheit wiederherstellen, sondern vielmehr beim Menschen bewirken. Sie haben einen Einfluss auf das psychische, soziale und geistige Wohlbefinden eines Patienten. In der Vergangenheit wurde diesen Aspekten zu wenig Beachtung geschenkt. Um das Wohlbefinden zu fördern, sprich die Lebensqualität zu optimieren, wird in der Pflege danach gefragt, was die Krankheit beziehungsweise veränderte Situation beim Menschen bewirkt und welche Auswirkungen es auf sein Leben und die Umgebung hat. Jedes Individuum hat eine andere Vorstellung der optimalen Lebensqualität. Deshalb ist es von grosser Bedeutung jede Person als Ganzheit zu sehen und dabei alle Dimensionen, welche einen Einfluss auf deren Lebensqualität haben, im Prozess zu berücksichtigen. Im Pflegealltag bekam die Optimierung der Lebensqualität eines jeden Patienten, eine hohe Priorität. Deshalb wird es im Bereich der Medizin zur Notwendigkeit sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen (Kovács, L., 2016, S. 1).

Einleitung [Bearbeiten]

Diese Arbeit wurde im Rahmen des Wahlpflichtmoduls „Work-Life-Balance“ verfasst. Die Autorin der Fachhochschule St. Gallen setzte sich mit dem Thema Lebensqualität aus Sicht des Patienten auseinander. Der Leistungsnachweis enthält die Definition und den historischen Hintergrund des Begriffs, sowie einen theoretischen Teil. Zum Schluss wird ein passendes Fallbeispiel aus dem Pflegealltag aufgezeigt.

Hauptteil  [Bearbeiten]

Gegenstand und Definition von Lebensqualität

Der Begriff „ Lebensqualität“ hat keine allgemeine Definition. Viele Ansätze stützen sich auf der Definition der Weltorganisation WHO. Laut WHO ist die Lebensqualität eine subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertsystemen in denen sie lebt und in Bezug auf ihre Ziele, Standards, Erwartungen und Anliegen (Bundesamt für Gesundheit [BAG], 2016, S.x). 

Jeder Mensch hat ein subjektiver innerer Ansatz, glücklich zu sein. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dabei von einem wünschenswertem hohen „Grad des Wohlbefindens“ gesprochen (Wikipedia, 2016). Im Gegensatz zum subjektiven zielt der objektive Ansatz auf die Lebensbedingungen ab (Kaltenegger, 2016, S.x).

Es ist wichtig den Begriff „Lebensqualität“ von der „gesundheitsbezogenen Lebensqualität“ zu unterscheiden. Die „gesundheitliche Lebensqualität“ bezieht sich auf die individuelle Zufriedenheit und das Lebensglück in den Bereichen, die dem Individuum wichtig sind. Hingegen wenn in der Medizin allgemein von Lebensqualität gesprochen wird, zielt dies hauptsächlich für ein Instrument, welches den Erfolg einer Behandlung messen kann (mediatum, 2010, S.8).

Vor allem in der Palliativ Care, sowie auch bei chronisch-kranken Menschen spielt die Lebensqualität eines Patienten eine wichtige Rolle. Das Personal versucht mit dem Motto von Christoph Lichtenberg „ Den Jahren Leben geben, nicht dem Leben Jahre geben“ den Betroffenen die Qualität der letzten Phase so schön wie möglich zu gestalten (Maier, Püschel, Dullio & Meier, ohne Datum, Zürich).

Entstehung und Geschichte der Lebensqualität

Der Begriff wurde erstmals in 1920 verwendet und ist daher noch sehr jung. Damals wurde er im Rahmen einer Untersuchung von Arbeitsbedingungen und deren Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Arbeitern vom Nationalökonom Pigou erwähnt. 

Allerdings wurde schon seit der Mensch denken kann über die Frage, was glückliches Leben ist, diskutiert. Bereits in der griechischen Antike war die Lebensqualität ein Thema. 

Die Lebensbedingungen zu optimieren stand vor allem nach dem zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt. Unter Lebensqualität wurde die Angleichung der Lebensverhältnisse im Sinne von individuellen Wachstum verstanden. „Qualitatives Wachstum“ war nun die Zielgrösse und nicht mehr „quantitatives“ (mediatum, 2010, S.6-8).

Eine enorme Verbreitung des Begriffs „Lebensqualität“ begann insbesondere seit Anfang der 1970er.  US- Präsident Lyndon B. Johnson verlieh mit seiner Aussage „These goals cannot be measured by the size of our bank balance. They can only be measured in the quality oft he lives that our people lead“ dem Ziel der Politik neue Konturen und prägte somit das politische Vokabular (Kovács, L., 2016, S. 1125).

Die Erweiterung des Gesundheitsbegriffs der WHO, die Veränderung des Erkrankungs- und Behandlungsspektrums (Chronifizierung) und die Skepsis gegenüber den Bewertungskriterien (Klinische Daten, Überlebenszeit) der medizinischen Interventionen, waren Gründe für die Entwicklung der Lebensqualitätsforschung (Bullinger, 2013, S. 4).

Theoretische Erklärungen der Lebensqualität

Patienten werden oft mit Schicksalen konfrontiert und müssen den Sinn in der neuen Lebenssituation finden. Es wird eine erfolgreiche Strategie erforderlich, sodass sie die Situation bewältigen können und nicht am Schicksal zerbrechen. Wenn ihre Lebensqualität optimiert wird, können auf Ressourcen zurückgegriffen werden, welche zur Bewältigung helfen.

Die Lebensqualität soll also als Massstab medizinischen und pflegerischen Handelns gelten (Kovács, L., 2016, S. 92).

Der gesundheitliche Ansatz ist ein multidimensionales Konzept, da verschiedene Dimensionen beim subjektiven Erleben des Betroffenen eine Rolle spielen; Das sind körperliche, emotionale, mentale, soziale, spirituelle und verhaltensbezogene Komponenten der Funktionsfähigkeit und des Wohlbefindens (Schumacher, J., Klaiberg, A. & Brähler, E., 2003, S.2) .

Jeder hat findet die Sinnfindung in unterschiedlichen Dingen, da jeder andere Ziele, Werte, Ideale und Bedürfnisse hat(Pflege Heute, 2011, S. 116).

In der Lebensqualitätsforschung gibt es zahlreiche Themenfelder. Ein Ansatz ist die hedonistische Theorie. Das Glück wird in dieser Theorie als subjektives Wohlergehen betrachtet. Sprich wenn ein Mensch sich wohl fühlt und zufrieden ist, wird dies als hohe Lebensqualität bezeichnet. Der innere psychische Zustand hat in dieser Theorie hohe Priorität (Kovács, L., 2016, S. 36).

Kontextualisierung des Begriffs 

Fallbeispiels aus dem Spitalalltag (aus Sicht der Studierenden)

Optimierung der Lebensqualität

Hr. X war bereits seit mehreren Monaten im Spital. Die Karten des Patienten standen schlecht, aber trotzdem freute er sich über jedem neuen Tag, den er noch erleben durfte. Schon von Anfang an, nahm ich ihn als sehr aufgestellte Person wahr. Er war stets gut gelaunt  und hatte eine äusserst positive Einstellung.

Nach den ersten zwei Wochen auf unserer Station litt er plötzlich nachtsüber an Atemnot. In dieser Situation im Spital fehlte ihm nun die Kraft sogar für kurze Strecken. Der tägliche Gang zur Toilette wurde für ihn zum Kampf. Die Folgen seines Zustands war eine starke Energielosigkeit und Erschöpfung. Sein Wille war dennoch gross und er wollte unbedingt seine Selbstständigkeit beibehalten. Ich fragte mich, wie die Lebensqualität des Patienten optimiert werden könnte. Der Patient hatte mir beim Eintritt gesagt, dass er gerne Zeit in der Natur verbringe. Deshalb entschied ich mich nebst den medizinischen Interventionen, für einen Spaziergang mit dem Betroffenen. An einem schönen Frühlingstag entschied ich mich, dem Patienten den Vorschlag zu machen. Als ich den Patienten fragte, ob er nach draussen möchte, war er sehr überrascht. Er begann zu lächeln und stimmte erfreut zu. Nachdem der Sauerstoff und die vielen alle Infusionen fixiert wurden, begleitete ich ihn mit dem Rollstuhr hinaus in die Natur. Die Sonne lachte, die Vögel zwitscherten und die Frühlingsluft war frisch. Die grosse Freude des Patienten war spürbar. Er erfreute sich an allen Dingen, die ich selber lange nicht mehr bewusst wahrgenommen habe. Auf dem Rückweg zu seinem Zimmer, bedankte er sich herzlich. Der Patient strahlte eine Gelassenheit und Entspannung aus. Auch die O2- Sättigung hatte einen höheren Wert, wie vor dem Ausflug ins Freie.

Der Patient erzählte die ganze Woche von diesen zwanzig Minuten, welche er an der frischen Luft verbrachte. Sogar Angehörige wandten sich an uns und berichteten was für eine positive Einwirkung und hohen Stellenwert dieses Geschehnis für den Patienten hatte.

Stellungnahme/ Erkenntnis:

Das Erlebnis zeigte mir, dass eine so simple Sache wie ein Spaziergang viel für den Patienten bewirken kann. Die ungewohnte Umgebung und die Angewiesenheit können für Patienten psychisch belastend sein. Deswegen ist es von grosser Wichtigkeit, dass die Bedürfnisse der Patienten wahrgenommen werden, um die Lebensqualität bestmöglich zu optimieren. Da Jeder unterschiedliche Werte, Vorstellungen und Anliegen hat, ist das Anamnesegespräch zu Beginn des Eintritts in die Klinik von grosser Bedeutung. Bei diesem Beispiel wird klar, wie bedeutsam die Natur (vor allem in seiner aktuellen Situation) für den Patienten war und welch positive Auswirkung die Intervention auf seine Lebensqualität hatte.

Schluss: Berufliche Interventionsmöglichkeiten  [Bearbeiten]

Die Optimierung der Lebensqualität soll für die Pflegeperson als wichtiger Bestandteil ihrer täglichen Arbeit betrachtet werden. Dabei ist die ganzheitliche Ansicht eines jeden Patienten von grosser Bedeutung. Es soll immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden, dass jeder Mensch andere Hintergründe mitbringt, andere Wertvorstellungen und Ideale hat. Der Beziehungsaufbau zu den Patienten ermöglicht gemeinsam das Ziel einer bestmöglichen Lebensqualität zu erreichen. Um Informationen zu erlangen gibt es in der Praxis zahlreiche Messverfahren, wie beispielsweise Interviews, gesundheitsökonomische Messinstrumente, Selbst-/ Fremdbeurteilung, sowie auch standardisierte Fragebögen, welche der Pflegeperson helfen können (Bullinger, 2013, S. 12).

      

Literaturverzeichnis

Bullinger, M. (2013). Das Konzept der Lebensqualität in der Medizin: Entwicklung und heutiger Stellenwert. Abgerufen von https://www.iqwig.de/download/HS13_Bullinger_Das_Konzept_der_Lebensqualitaet_in_der_Medizin.pdf Bundesamt für Gesundheit [BAG]. (ohne Datum). Lebensqualität. Abgerufen von http://www.bag.admin.ch/transplantation/00692/02582/12400/index.html?lang=de

Kaltenegger, J. (2016). Lebensqualität in stationären Pflegeeinrichtungen fördern: Konzepte und Methoden für die Praxis. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer. 

Kovács, L. (2016). Lebensqualität in der Medizin. Wiesbaden: Springer VS.

Maier, M., Püschel, M., Dullio, S., Meier, M. & Moranda, C., (ohne Datum). KOMPETENZZENTRUM FÜR PALLIATIVE CARE. Zürich

Mediatum. (2010). Lebensqualität, Persönlichkeitsveränderungen, Selbstwertschätzung und klinische Ergebnisse nach Brustaugmentation: eine retrospektive Studie. Abgerufen vonhttps://mediatum.ub.tum.de/doc/1005989/1005989.pdfNetdoktor (2016). Lebensqualität im Zentrum der Therapie. Abgerufen von

http://www.netdoktor.at/krankheit/krebsschule/video-lebensqualitaet-im-zentrum-der-therapie-6859434Pflege Heute. (2011). München: Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH.

Schumacher, J., Klaiberg, A. & Brähler, E. (2003). Diagnostische Verfahren zu Lebensqualität und Wohlbefinden. Göttingen: Hogrefe

Wikipedia. (2016). Lebensqualität. Abgerufen von https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensqualit%C3%A4t